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Ranglistenpunkte in Bayern nur noch mit nichtspielenden Schiris
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Ranglistenpunkte in Bayern nur noch mit nichtspielenden Schiris

KLPetanque und Regeltreue, das passt häufig noch nicht so recht zusammen. Krasse Regelverstösse sieht man auf unseren Spielbahnen von der Kreis- bis rauf zur Bundesliga. Spaß und Regel scheinen häufig auf Kriegsfuß zu stehen. Wir haben uns mit dem neugewählten Referenten für das Schiedsrichterwesen im Bayerischen Petanque Verband Kurt Lößel unterhalten.

PCN: Schafft man beim Boule jemals eine Regelakzeptanz bei Teilnehmern und Veranstaltern wie sie in anderen Sportarten wie Fußball, Leichtathletik, Tennis, Kegeln längst Praxis ist.

Kurt: Ja ich denke, daß wir das in absehbarer Zeit hinkriegen werden, vielerlei Gründe sprechen dafür. Die Anzahl der Schiedsrichter wächst zwar langsam, aber sie wächst stetig. Unsere Schiedsrichter erhalten bei Entscheidungen ABSOLUTE Rückendeckung durch den gesamten Vorstand des BPV und DPV. Das wurde nicht immer so ausdrücklich kommuniziert. Dadurch verhalten sich Schiedsrichter allmählich immer konsequenter und treffen Entscheidungen, wo Schiedsrichter vorher einfach, naja sagen wir mal, weggeschaut haben um Ärger und Aufsehen zu vermeiden.

PCN: Wie lange wird das dauern, es heißt ja, was Hänschen nicht lernt, lernt der Hans nimmermehr. Wo und wie setzt man am besten an?

Kurt: Das hängt auch von der Anzahl der Schiedsrichter in jedem Verein ab. Mein Ziel ist es bis Ende meiner Amtsperiode in JEDEM Verein einen Schiedsrichter zu haben. Der kann/soll/muss/darf dann mit Unterstützung im Verein ruhig mal einen Regelabend für alle Mitglieder, z.B. als Quiz veranstalten. Ein halbes Stündchen für den Anfang reicht, wobei ich überzeugt bin, daß solche Abende länger dauern, weil bei vielen Spielern die Erkenntnis dämmert, dass man gar nicht so regelfest ist, wenn es mal komplizierter wird. Für die Besserwisser, Meckerer und Klugscheißer eine schmerzhafte aber lehrreiche Erfahrung.

PCN: Was können die Vereine noch konkret tun, was jeder Einzelne und was die Verbände?

Kurt: Einen guten Schritt haben wir bei der Ordentlichen Mitgliederversammlung 2018 schon getan. Punkte bei Ranglistenturnieren gibt es ab sofort nur noch mit einem NICHTspielenden Schiedsrichter. Wenn sich Vereine schon bei ihrer Planung frühzeitig Gedanken über einen Schiedsrichter machen müssen und dabei feststellen daß das gar nicht so einfach ist weil die meisten Schiris ja meist auch Spieler sind. Da denkt vielleicht der eine oder andere Vorstand doch verstärkt über mehr Werbung in seinem Verein für Schiedsrichter nach. Hilfreich wäre es, wenn Schiedsrichter und Veranstalter vor Turnierbeginn die Teilnehmer darauf hinweisen, daß auf die strikte Einhaltung der Regeln geachtet wird mit Hinweis auf bestimmte Schwerpunkte, wie beispielsweise Übertreten im Kreis oder Störungen beim Wurf. Ein Resümee des Schiedsrichters zum Turnierende hält niemand lange auf und ist eine gute Erinnerungsstütze .

PCN: Laufen uns die Spieler weg, wenn unsere Schiedsrichter nun härter und konsequenter vorgehen. Sollte man den Regelkatalog/Sanktionen erweitern beispielsweise bei agressivem Verhalten gegenüber Schiedsrichtern?

Kurt: Was ist hart wenn man auf Regeln achtet? Spieler werden nicht weglaufen wenn verstärkt auf die Regeln geachtet wird. Die Schiris machen keine Regeln, sie sorgen nur für deren Einhaltung. Der Regelkatalog muß nicht erweitert werden. Wenn ein Spieler, ein Team sich so grob unsportlich verhält, Beleidigungen ausspricht oder gar tätlich wird, MUSS eine Sanktion in der möglichen Härte ohne vorherige Verwarnung ausgesprochen werden, da gibt es kein Pardon oder Schonung. Das gibt auch der Regelkatalog her. Ich bin mir sicher, daß sich extreme Regelwidrigkeiten- und verstöße nicht widerholen, wenn Schiris durchgreifen und ein Exempel statuieren. Ich bin 40 Jahre Fußballschiedsrichter gewesen, ich kenne meine Pappenheimer.

PCN: Mehr nichtspielende Schiedsrichter klingt gut, was kann man für Anreize setzen?

Kurt: Die Ehre Schiedsrichter sein zu dürfen und die doch vielschichtige wenn auch seltene Anerkennung auf fränkisch: bassdscho Schiri, dangge, sowie die erhöhte Aufwandsentschädigung von 50,- € für bayerische Schiedsrichter, beschlossen bei diesjährige OMV, sowie das Kilometergeld von 15 Eurocent pro Einfachkilometer. Der größte Anreiz ist meines Erachtens die Möglichkeit vor allem bei den jüngeren Kollegen und entsprechender Eignung auf Bundesebene als auch International tätig werden zu können. Viele noch aktive Schiedsrichter scheiden demnächst aus Altersgründen aus. Zuletzt liegt es aber an uns Schiedsrichtern selbst, mit besonnenem und bestimmten Auftreten sowie profunder Regelkenntnis geben wir das bestmögliche Vorbild ab. Wir schiedsrichtern freiwillig und es bereitet uns Spaß und Vergnügen wenn wir den Job gut machen. Zusammen mit den für 2018 geplanten Regelkunde-Pflichtfortbildungen durch den DPV und die Landesverbände sind wir auf einem guten Weg. Wir Bouler treiben fairen und echten Sport. Spaß und Vergnügen kommen mit der Regeltreue, erst damit sind wir fair gegenüber unseren Mitspielern und Gegnern und dem Schiedsrichter.

Übrigens: Daß Regelverstöße auch noch auf hohem Niveau durchgehen, zeigt diese Tanzveranstaltung mit Weltklassemann Christian Fazzino: https://www.youtube.com/watch?v=B4b45ohepeI